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 Criminale 2006

Meine Koblenzer Impressionen

 

 

Es gibt Termine im Jahr, da freut man sich einfach drauf. Den ersten hatten wir mit der Leipziger Buchmesse schon erledigt und so war die Vorfreude auf Koblenz groß.

Auch der Name unseres Hotels „ Hotel Continental Pfälzer Hof“ versprach viel. Es lag in der  Innenstadt und war mit 40 Euro pro Zimmer  günstig.

 

Leider verdienen wir mit dem Literaturkaffee nichts und somit mussten wir auch ein wenig auf unser Kleingeld achten, zumal wir vier Tage in Koblenz blieben.

Von Essen nach Koblenz ging es überraschend schnell und so kamen wir bereits gegen 15.00 Uhr in Koblenz an.

Bevor wir uns akkreditierten, erst einmal ins Hotel um einzuchecken. Als ich mein Zimmer betrat fiel mir der Opener aus „Hotel Terminus“ ein. „ Ein Gründerzeit Bau, der schon lange nicht mehr renoviert wurde und der nur eine Ahnung des Charmes früherer Jahre erahnen lässt.“

Ich hätte uns vielleicht doch lieber im ETAP einquartieren sollen, aber nach der Hotelbesichtigung ist man immer schlauer.

Nun ging es ab zur Akkreditierung in den Veranstaltungstreff „Weindorf“.

Obwohl ich mich schon Wochen vorher, noch auf  der Leipziger Buchmesse um die Akkreditierung bemüht hatte, bei Heinz –Peter Baecker und er mir diese zugesagt hatte, standen wir nicht auf der Liste. Auf die Frage, wer wir denn seien antwortete ich „Fernsehen“ und erntete allgemeine Heiterkeit. Auf die wiederholte Nachfrage meinte dann die Frau von der Akkreditierungsstelle eher bedauernd: „Ach, das war gar kein Scherz, sie sind wirklich vom Fernsehen.“ Danach war es problemlos unsere Zulassung zu bekommen.

Der erste große Event der Criminale  war eine  Veranstaltung der „Sisters in Crime“, der deutschen Sektion der internationalen Vereinigung weiblicher Krimischriftstellerinnen. Durch die Veranstaltung führte professionell die Wiener Autorin Beatrix M. Kramlovsky.

Das Konzept war interessant. Insgesamt waren dreizehn Autorinnen am Start, die jeweils acht Minuten lasen. Dadurch bekam man einen ersten Eindruck von der Qualität der deutschen Krimifrauen. Die reichte dann auch von ganz schön dürftig bis Spitzenklasse. Zur Spitzenklasse dieses Abends gehörten u.a. Beate Maxian, Susanne Schubarsky, Almut Heuner und Sabina Naber. Leider fehlte die von uns sehr geschätzte Brigitte Glaser .

Die Veranstaltung ging bis ca. 23.00Uhr und danach kam der angenehme Teil des Abends, die Feier im Weindorf. Wir lernten viele neue Autoren kennen und es entwickelten sich viele tolle neue Ideen für neue Gäste. Am frühen Morgen lagen wir dann schließlich in den Betten unseres Hotels „Terminus“.

Trotz des miesen Eindrucks, den das Hotel auf uns gemacht hatte, gab man sich alle Mühe uns beim Frühstück zu verwöhnen. Die freundliche Art des Hotelmanagement kompensierte einiges von dem miesen Eindruck des Hotels.

Zu Beginn des zweiten Tages war ein Weltrekordversuch geplant. Das Syndikat und die Stadt Koblenz versuchten sich in einem örtlichen Einkaufzentrum am „längsten Signiertisch der Welt“. Wir trafen viele Autoren, allerdings reichte es nicht für das „Guinnessbuch der Weltrekorde“. Satt der erforderlichen 151 Autoren, hatten sich nur 136 Autoren eingefunden. Trotzdem waren Idee und Stimmung großartig.

 Danach war „Sightseeing“ angesagt. Wir „eroberten“ die Festung Ehrenbreitstein. Frank fand eine Menge Motive für das Füllmaterial zu unserem Criminale-Film. Atemberaubend war vor allem der Blick ins Rheintal aufs  „Deutsche Eck“. Hier in Koblenz vereinigen sich Mosel und Rhein. Man kann schon verstehen, warum Heinrich Heine gerade hier die „Loreley“ geschrieben hat. Ein Blick ins Rheintal verbindet Euphorie und Melancholie.

Jetzt ging es in ein kleines Cafe, in dem die Anthologie „Tödliche Torten“ vorgestellt wurde.

Ein wunderschönes Ambiente für eine prima Sammlung von Kriminalkurzgeschichten und zwei schöne Interviews mit Beatrix M. Kramlovsky und Almut Heuner.

 

Der Tag hatte körperlich seinen Tribut gefordert und so ging es ab ins Hotel um ein wenig auszuruhen. Wir verpassten die Lesung „ Sex´n Crime“ mit der ehemaligen Herbertstraßen- Institution Domenica Niehoff und waren dafür schon ab 22.00 Uhr  im „Weindorf“. Wieder ein toller Abend, wieder viele interessante Gespräche und wieder hoben wir mit einigen Anderen die Tafel auf.

Dafür wartete diesmal das Hotel „Terminus“ mit einer kleinen Überraschung auf. Der Nachtportier war nicht da, dafür aber die Eingangstür abgeschlossen. Es dauerte eine dreiviertel Stunde, bis Frank schließlich die Töchter der Besitzerin herausgeklingelt hatte und der Nachtportier uns öffnete: „Tut mir leid,“ war seine lapidare Entschuldigung, „ ich war gerade hinten in der Küche und habe Frühstück vorbereitet.“ Koblenz, nachts in einer kalten Frühlingsnacht am Bahnhof vor dem geschlossenen Hotel. Ein touristischer Eindruck auf den wir gerne verzichtet hätten und der in krassem Gegensatz zum „heimeligen“ Blick auf das deutsche Eck stand. Aber es sind halt die kleinen  Sachen, die sich ins Gedächtnis solcher Tage einbrennen.

Am nächsten Tag stand das berühmte Fußballspiel Autoren gegen Polizei auf dem Programm. Blickfang bei diesem Event waren die „tödlichen Puscheln“ ,einige Krimiautorinnen, die die Cheerleader-Truppe des Syndikats bildeten.

Am Abend hieß es dann wieder feiern im „Weindorf“. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass wir auch dieses Mal mit wieder die Letzten waren. Um uns herum wurden schon die Stühle hochgestellt und die Tische abgewaschen, aber wir ließen uns nicht beirren.

Am Sonntag stand schließlich die Lesung mit Jacques Berndorf an. Ich hatte mich riesig auf ihn gefreut. Gesundheitlich ging es ihm in den letzten Monaten nicht so gut, aber hat er hat sich wieder toll  „bekrabbelt“. Von seiner Ausstrahlung hat er nichts eingebüßt, nach deinen beiden letzten Büchern „Eifel-Träume“ und „Ein guter Mann“, die beide sehr stark waren, hatten wir eine Menge Fragen. Es war eine sehr schöne Atmosphäre und erst hinterher fiel mir auf, dass die Zuschauer sehr leise waren und zuhörten, als er erzählte. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag in Dreis-Brück, zu einer kleinen „Home-Story“.

Am Abend kam es dann zum großen Finale der zwanzigsten Criminale, dem „Tango Criminale“ in der Rhein-Mosel-Halle. Schon beim Betreten der Halle war ich überrascht. Es gab keine Reihenbestuhlung, sondern ausschließlich große Tische. Man hatte also wohl nicht mit sehr vielen Zuschauern gerechnet. Nach dem sich der Saal gefüllt hatte, war klar, dass die „Criminalisten“ fast unter sich waren.

Stargast des Abends war „Klaus Doldingers Passport“. Ein großer Jazzer, der auch sehr viele Titelmelodien zu Krimiserien geschrieben hatte. Unter anderem wohl die berühmteste Krimimelodie des deutschen Fernsehens, den „Tatort“.

Doldinger spielte über eine halbe Stunde, bevor schließlich Ralf Kramp die Bühne betrat, der diesen „Tango“ moderierte. Bei der Präsentation der Nominierten für den „Hans-Jürgen Martin“ Preis, dem Preis für das beste Kinderbuch, versagte die Technik zum ersten Mal. Statt eine Vorstellung der Autoren sah man auf der Leinwand lediglich einen offenes Windows Menu. Einen Vorgang, den die Technik im Laufe des Abends noch „perfektionierte“.

Eine Panne jagte die Nächste und lediglich Ralf Kramp  blieb unerschütterlich. Er war der „Fels in der Brandung“ in einem chaotischen Ablauf.

Einer der wenigen Höhepunkt war noch zu einen die Laudatio von Stefan Slupetzky für Leonie Swann, die den Debüt-Glauser für „Glennkill“ bekam, zum anderen die fast schon obligate Gesangseinlage von Jürgen Alberts und Ralf Kramp, diesmal ergänzt durch Sandra Lüpkes, mit einer speziellen Version des Meckie-Messer-Songs.

Ziemlich lieblos hingegen wirkte die Laudatio von Christoph Spielberg auf Gewinnerin des „Glauser 2006“ Astrid Papprotta für ihren Roman „Die Höhle der Löwin“.

Nach diesem misslungenen Abend freuten sich alle auf das anschließende Büfett. Aber zu früh gefreut, der den Abend der Pannen setzte sich nahtlos fort. Statt für etwa 200 Gäste hatten die Veranstalter für nur rund 30 Gäste ein Büfett kalkuliert. Für ihre zehn Euro Kostenbeitrag erwischten einige Gäste nur noch die verzehrbare Dekoration, andere gingen ganz leer aus.

Wir verzogen uns zum Glück noch so rechtzeitig ins „Weindorf“, dass die Küche kurz vor der Schließung stand und wir noch etwas bekamen. Während Heike und ich uns ins Hotel Terminus verzogen, feierte Frank noch die Nacht durch mit den Autoren in der Hotelbar des „Mercure“ Hotels, in dem die meisten abgestiegen waren.

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Dreis-Brück zu Jacques Berndorf, der uns den Rahmen für eine tolle Home-Story über den großen Autor der Eifel bot, aber dass ist eine andere Geschichte.

Wie ich erst jetzt erfahren habe, ist Heinz-Peter Baecker nach der herben Kritik an seiner Arbeit in „SoKo Criminale 2006“ aus dem Syndikat ausgetreten. Schade, Kritik hat doch immer auch einen positiven Kern.

Ich jedenfalls freue mich riesig auf die „Criminale 2007“ an der badischen Weintrasse und ganz besonders auf 2008, den dann ist „Vienna calling“.

Mittlerweile gibt es sogar schon die ersten Bestrebungen die „Criminale 2010“ in die „Kulturhauptstadt Europas 2010“, also nach Essen zu vergeben. Das wäre doch riesig....-  oder ?!!!!!

 

 

 

 

 

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