|
Der Gastkommentar
Hier gibt es in nächster Zeit Gastkommentare.
Den Anfang macht Angela Nolte. Ihr Lieblingsgebiet sind historische Romane und da das ein Genre ist, das boomt, freuen wir uns, hier jemanden zu haben, die sich auskennt.
Den Anfang macht sie mit:
Frederic Berger „Die heimliche Päpstin“.
|
|
|
Frederik Berger hat mit "Die heimliche Päpstin" einen gut recherchierten, flüssig geschriebenen und dadurch gut zu lesenden Roman vorgelegt. Auch der geschichtlich nicht so versierte und interessierte Leser erhält einen spannenden Einblick in das düstere, und doch auch wieder farbenprächtige ROM des 10. Jahrhunderts.
Geld und Macht, Käuflichkeit und Verderbtheit, Ämterschacher und Klüngel im Klerus und in den großen Adels- und Kaufmanns-Familien, dazu noch verführerische Frauen.....all das sind süperbe Zutaten für ein Buch, das echtes römisches Lokalkolorit vermitteln und zugleich eine facettenreiche, fast vergessene Epoche zu neuem Leben erwecken will.
Genau das tut dieses Buch. Und genau das ist auch die Crux dabei.Der Titel suggeriert einen Roman, in dem es hauptsächlich um das Leben Marozias geht. Das ist aber nicht so. Marozia selbst wird zwar als Person schon früh in das Buch eingeführt. Als eigenständige, handlungstragende Figur erscheint sie jedoch erst nach einem Drittel (!) des gesamten Buches. Und auch dann bleibt sie als Mensch, als Frau, als "weibliche Versuchung schlechthin" seltsam blass und unbestimmt. Dafür erfahren wir mehr über ihre Mutter Theodora, die ihr - m. E. unerreichtes - Vorbild ist. Theodora hat die weitaus schärferen, klareren Konturen und ist dadurch die interessantere und stärkere Persönlichkeit von beiden.Die eigentlich Hauptperson aber ist neben der Geschichte ROMs Aglaia, die Sklavin aus byzantinischem, gebildetem Hause. Sie kommt als Amme Marozias in die Familie und wird dort bald zum "menschlichen" Mittelpunkt der Familie.
Damit ist Frederik Berger ein echter Clou gelungen: Aglaia steht zwar im Zentrum des Geschehens, behält aber, da sie fast niemals selbst Entscheidungsträgerin ist, auch immer eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen. Und dadurch ist es Aglaia - und damit auch dem Leser - möglich, die Menschen in ihrem Umfeld fast objektiv zu betrachten: Stärken und Schwächen der Protagonisten werden erkennbar und mitunter möchte man zusammen mit Aglaia eingreifen, um die Dinge in eine andere Richtung zu lenken! Die gelegentlichen, niemals den Erzählfluss unterbrechenden Reflexionen Aglaias unterstützen diesen Eindruck noch. Sie sind eine wunderbare Verbindung zum Leser, der mit Aglaia fühlt und denkt, und doch auch - genau wie sie selbst - nichts wirklich ändern kann. Aglaias Lebensgeschichte ist es also, die in diesem Roman geschildert wird. Und wirklich, dieses Leben hat es in sich: Trotz harter Schicksalsschläge zerbricht sie nicht, sondern erstarkt. Sie ist zu echter Liebe fähig, aber dennoch zu feige, dafür Vertrautes aufzugeben und etwas Neues zu beginnen.
Sie "steht ihren Mann" in einer von Männern geprägten Zeit, zögert aber bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen. Unverbrüchliche Treue zeichnet sie aus, aber letztlich wird sie genau dadurch offenen Auges in den Strudel der Ereignisse hineingezogen und kann ihnen nicht mehr entrinnen. Dass am Ende für Aglaia selbst alles gut wird, kommt als gerechte Belohnung daher und gönnt es ihr von Herzen. Theodora, Marozia, Aglaia, Rom: drei Frauen, eine Stadt. Was bleibt? Theodora und Marozia haben der Stadt für kurze Zeit ihren Stempel aufgedrückt und mussten zwangsläufig scheitern. Rom ist nun mal Rom und die italienisch/römische Lebensart hat sich bis heute auch nicht wirklich viel geändert......mit Aglaia jedoch hat Frederik Berger eine Persönlichkeit geschaffen, der er, hätte sie denn wirklich gelebt, zu Recht ein dichterisches Denkmal setzte.
|
|