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BuiltWithNOF

Sendung vom 06.05.2005 OK43

Sendung vom 13.01.2006 Florian TV

Silvia Kaffke und Horst Eckert

Silvia Kaffke: Messerscharf

Die Serienmordspezialistin vom BKA, Barbara Pross, zur Zeit auf eigenen Wunsch wegen psychischer Probleme beurlaubt, strandet ohne Geld in Düsseldorf. Aufgrund ihrer Depression unfähig Familie oder Freunde um Hilfe zu bitten, nimmt sie das Angebot eines geheimnisvollen Fremden, das der ihr in einer Kneipe macht, an: Sie darf bei ihm wohnen, solange sie möchte. Thomas Hielmann, ihr Gastgeber, ist ein Exzentriker, der verwahrloste Frauen unter seine Fittiche nimmt. So gerät er schnell in den Verdacht, der gesuchte Frauenmörder zu sein, weil er das dritte Opfer einer Mordserie ebenfalls beherbergt hat. Barbara ist nun wieder mitten drin in dem Job, dem sie zu entfliehen versucht hat.. Dabei wird ihr Thomas Heilmann immer sympathischer und sie findet langsam aus ihrer Depression heraus. Dann macht sie eine für Thomas schmerzliche Entdeckung, durch die der Fall eine dramatische Wendung nimmt...

Der erste Roman von Silvia Kaffke ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die liebevoll gezeichnete Heldin taucht nach amerikanischem Profiler-Vorbild in die Psyche der Täter ein und erschrickt darüber derart, dass sie in eine tiefe Depression verfällt. Dabei kommt auch ein Trauma aus ihrer Kindheit wieder hoch. Wir durchleben mit der Heldin ihre Selbstfindung und berufliche Rehabilitierung. Die Beschreibung der Krise zeugt vom eindrucksvollen Verständnis der Autorin für die Abgründe der menschlichen Seele, ihrer Verschiedenheit oder Gleichartigkeit. Auch die Liebesgeschichte, die zaghafte Annäherung zweier Individualisten, überzeugt durch die Beschreibung des Normalen in dem außergewöhnlichen Kontext ihrer jeweiligen Geschichte. Und wo hat man zuletzt die Beschreibung eines derart interessanten Mannes gelesen? Jedenfalls nicht seit Rhett Butler und Heathcliff! All das wird so fesselnd geschildert, dass wir hoffen, mehr von den handelnden Personen zu erfahren.

 

*****Fischer Verlag  8,90 Euro

 

Silvia Kaffke: Herzensgut

Die Psychologin Barbara Pross hat inzwischen ihren Doktor gemacht und sucht eine eigene Wohnung. Dabei stößt sie auf eine Frauenleiche und wird mit ihrer früheren Tätigkeit konfrontiert. Der Polizei ist die Frau bekannt, seit vor einigen Jahren ihre kleine Schwester Jenny spurlos verschwand. In der Psychiatrie sitzt ein Täter, der den Mord an Jenny und an anderen Kindern gestanden hat. Doch nun stellt sich heraus, das Jenny lebt und die tote Christina ihre Schwester gefunden hatte. Barbara hat den Verdacht, dass der schwachsinnige Mann, der sich in der Psychiatrie befindet, vielleicht keinen der Morde begangen hat und am Niederrhein ein Serienmörder seit dreißig Jahren immer wieder unbehelligt Kinder tötet. Barbara bringt ungeheure Fakten ans Licht und gerät immer mehr unter Zeitdruck, weil wieder ein Kind verschwunden ist.

Dieser zweite Roman von Silvia Kaffke ist mindestens ebenso gut wie der erste. Die Heldin Barbara Pross muß sich dieses Mal ihrem Trauma aus der Kindheit stellen: Ihre Freundin Ina wurde ermordet, als sie zehn Jahre alt war. Die Autorin taucht auch hier wieder tief in die Psyche der Helden ein und versteht es Gefühle in Worte zu fassen, so dass der Leser sie versteht, ohne dabei in langweilige Allgemeinplätze zu verfallen. Das aktuelle Thema, Kindesmißbrauch, wird sensibel aufgearbeitet und der Leser gelangt zu der Überzeugung, dass Mord nicht das Schlimmste ist, was einem Opfer widerfahren kann.. Auch dieses Buch fesselt bis zur letzten Seite und macht Appetit auf mehr.

*****Fischer. Verlag 9,90 Euro

Silivia Kaffke: Totenstill

Barbara Pross, früher Fallanalytikerin bei der Polizei, hat seit einiger Zeit einen Lehrauftrag für investigative Psychologie an der Uni, hält Vorträge an der Polizeihochschule und ist für die Polizei nur noch beratend tätig. So glaubt sie zuerst an einen Scherz, als zu ihrer Vorlesung über den Serienmörder Kroll, Schweinedärme in einer der Universitätstoiletten  gefunden werden. Dann aber werden verschiedene Leichen aufgefunden, die wie bei anderen berühmten Fällen zugerichtet worden sind. Zuerst aber muss sie sich der Aufklärung einer Reihe von Vergewaltigungen im Kreis Dithmarschen widmen, wo sie vor Jahren ihre größte Niederlage erlitt, weil sie ein falsches Täterprofil erstellt hatte. Barbara ignoriert die Hinweise darauf, dass es bei den neuen Morden um ihre Person geht, bis es fast zu spät ist…

 

Ihr Leben war sanft geworden…“ Barbara Pross, die Profilerin aus „Messerscharf“ und „Herzensgut“ ist ein wenig zur Ruhe gekommen. In der Villa ihres herzkranken Mannes Thomas Hielmann führt sie ein behütetes Leben. Um so erschreckender bricht dann die Erkenntnis ein, dass sie selbst der Anlass für die Morde nach ihrem Vorlesungsplan ist. Wie im Film „Copykill“ muss sie feststellen, dass sie als Spezialistin für Serienmörder selbst zur Zielscheibe, wenn nicht sogar zum Auslöser für Gewalttaten wird.

Silvia Kaffke, die es nach eigener Aussage vorzieht, Liebesromane zu schreiben, versteht es meisterlich, die Zerbrechlichkeit von Leben und Psyche zu beschreiben. Die Beschreibung der fast symbiotischen Beziehung zwischen Barbara und Thomas liest sich wunderschön  und lässt die Morde um so grausamer erscheinen. Mit der Lösung des Falles kann Barbara wieder einen Teil ihrer Vergangenheit bewältigen und sich mit der Krankheit ihres Mannes auseinandersetzen.

Trotz der ein wenig störenden Handlungsstränge mit der Firma Hielmann und dem „Journalisten“ Özay   wird man rundum gut unterhalten und hofft am Ende, dass und Barbara Pross und ihr Thomas uns noch länger erhalten bleiben.

KBV  Verlag    9,50 Euro

***

Horst Eckert: 617 Grad Celsius

Die junge Kripobeamtin Anna Winkler kommt von einem Einsatz in Bosnien zurück und gerät gleich in die Ermittlungen zu einem Mordfall. Schnell erkennt sie, dass ihre eigene Familie in den Fall verstrickt ist. Je länger sie ermittelt, desto mehr muss sie sich mit ihrer eigenen und der Vergangenheit ihrer Familie auseinandersetzen...

Wir haben ihn gelesen, den neuen Horst Eckert.

Nach „Purpurland“ waren wir auf „617 Grad Celsius“ sehr gespannt. Dieses Mal wird die Landespolitik mit ihren Seilschaften aufs Korn genommen.

Ralf: Ich finde Horst Eckert hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem der großen deutschen Krimiautoren entwickelt. Sein neues Buch ist ein heißer Thriller; er ist sogar 617 Grad Celsius heiß.

Heike: Und obwohl er so heiß ist,  kann man ihn bis zum Schluss nicht aus der Hand legen.

Ralf: Was mich auch dieses Mal so begeistert hat, ist dass die Geschichte und die handelnden Personen so gut in Szene gesetzt sind.

Heike: Ja. das Buch ist, wie immer bei Horst Eckert, klar strukturiert auf verschiedenen zeitlichen Ebenen. Was mich besonders beeindruckt, ist seine genaue Beobachtungsgabe z.B. die Demaskierung der falsch verstandenen Emanzipation der 70-er Jahre.

Ralf: Durch die Einbindung der Familiengeschichte nutzt Eckert die Möglichkeit die persönliche Geschichte der Hauptfigur Anna Winkler und die Ermittlung des Falles miteinander zu verweben. Damit gelingt ihm eine emotionale Tiefe, die wir so von ihm bisher nicht kannten.

Heike: Der Roman enthält viele  Elemente eines klassischen Dramas, wie den Konflikt Anna Winklers, die erkennt, dass sie sich den Sünden der Väter nicht entziehen kann.

Ralf: Was ich sehr witzig fand, war die Vorwegnahme des Ergebnisses der Landtagswahlen NRW 2005 und den Weg dorthin. Eckert beschreibt die Korruption in der Politik als die Regel und nicht mehr die Ausnahme.

Heike: Gelungen finde ich auch immer wieder die Beschreibung der Polizeiarbeit, die die genaue Recherche voraussetzt, die man von Horst Eckert gewöhnt ist.

Fazit: Horst Eckert hat mit seinem Roman einen weiteren Meilenstein in der Krimiliteratur geschaffen. Der neue Eckert ist wirklich heiß: 617 Grad Celsius.

 

Horst Eckert Purpurland

Es ist nun schon gut zehn Jahre her, dass der Düsseldorfer TV-Journalist Horst Eckert sich entschloss Kriminalromane zu schreiben und mit „Annas Erbe“ sein Erstlingswerk vorlegte.

Mittlerweile hat er sich seinen Platz unter den besten deutschen Krimiautoren „erschrieben“ und ein Krimi „made by Eckert“ ist heute ein Qualitätssiegel an sich.

So auch „Purpurland“, den der Autor für seinen bisher Besten hält.

Zur Geschichte: Im Mittelpunkt des Romans steht der Ex-SEKler Felix May, der als Neuling in Düsseldorfer „Festung“, das Polizeipräsidium, kommt. Vor seinem Festungsantritt lernt er in einer Kur den Elite-Soldaten Tim Sander kennen. Sander kommt traumatisiert von einem Geheimauftrag der Bundeswehr, im Kampf gegen Mohnbauern und Heroinproduzenten in „Arschganistan“ zurück, bei dem er in “friendly fire“ geriet. Sander sieht die afghanischen Mohnfelder in voller Blüte und er fühlt sich dabei wie in „Purpurland“. Der Soldat ist verheiratet und er zeigt May voller Stolz ein Bild seiner attraktiven Frau Julia, die während seines Einsatzes, bei ihrer Tante in Düsseldorf lebt und Schauspielunterricht nimmt. May ist von dem Bild der jungen Frau äußerst angetan und umso schockierter, als er bei seinem ersten Diensteinsatz in Düsseldorf die Leiche der Frau entdeckt.

Nun treten Eckerts bekannte Protagonisten der Festung auf die Bühne der Handlung. Eine SOKO wird begründet, deren Mitglied auch Felix May ist. Die zentrale Frage lautet: Wer tötete Julia Sander und warum ... ?

Eckert brennt ein packend inszeniertes und mit einer breiten Palette krimineller Aktivitäten gespicktes Krimifeuerwerk ab, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Die Figuren sind, wie immer bei Eckert, facettenreich und realitätsnah konzipiert. Das Plot ist stimmig und brillant recherchiert . Es ist vor allem Eckerts pragmatischer Erzählstil der den Roman abrundet in die Spitzenklasse des deutschen Krimigenres erhebt.

Eckert wurden für seine Krimis mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt und wenn man den Roman nach 280 Seiten aus der Hand legt, dann weiß man auch warum .

„Purpurland“ ist weit mehr als ein normaler Krimi. Er ist eben ein echter Krimi „made by Eckert“.

*****grafit-verlag Euro 9,90

 

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